Praxisgebühr

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Seit fast zwei Jahren müssen die Deutschen die so genannte Praxisgebühr bezahlen, und sie meisten haben sich trotzdem noch nicht wirklich daran gewöhnt.

Mit der Praxisgebühr sind die 10 € gemeint, die bei Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapeutenbesuchen einmal im Quartal anfallen und die von den gesetzlichen Krankenkassen eingeführt wurden. Mit der Praxisgebühr wollen sich nämlich vor allem die Krankenkassen entlasten und zwar einerseits, indem sie durch die 10 € pro Patient und Quartal eine neue Einnahmequelle geschaffen haben und dadurch, dass durch die Gebühr mehr Patienten vor einem Besuch beim Arzt zurückschrecken und sich zunächst selbst behandeln mit frei erhältlichen Medikamenten. Dadurch werden die Krankenkassen eben auch entlastet. Außerdem sollen die Patienten Fachärzte nur nach einer Überweisung durch den Hausarzt aufsuchen, denn gerade bei Untersuchungen und Behandlungen durch Fachärzte fallen sehr hohe Kosten für die Krankenkassen an.

Auch die Ärzte waren eher nicht von der Einführung der Praxisgebühr begeistert, weil sie für ihre Praxen einen nicht unbeträchtlichen Mehraufwand bedeutete. Die 10 € müssen von den Sprechstundenhilfen kassiert werden. Dies bedeutet, dass es nun in einer Arztpraxis einen nicht unerheblichen Bargeldbestand gibt, was natürlich Diebe anlockt. Außerdem müssen Ärzte Mahnungen schreiben, wenn Praxisgebühren nicht bezahlt wurden. Zwar kann sich ein Arzt weigern einen Patienten zu behandeln, wenn er keine Praxisgebühr bezahlt hat, allerdings gilt dies nicht für Notfälle.

Die Praxisgebühr wird sehr kritisch gesehen und das auch wohl zu Recht, denn es ist fraglich, ob die Krankenkassen durch die Praxisgebühr wirklich ihre finanzielle Lage verbessern können. Zum einen können medizinische Probleme verschlimmert werden, wenn man zu lange keinen Arzt aufsucht. Dadurch wird die Behandlung schwieriger und meistens auch teurer. Außerdem sind Patienten selbst sehr wohl in der Lage anzuschätzen, ob sie Hilfe von einem Facharzt brauchen. Wer zum Beispiel sein Handgelenk verrenkt hat, weiß sehr genau, dass hier ein Orthopäde besser helfen kann als ein Allgemeinmediziner und trotzdem muss der Betroffene zuerst zum Hausarzt wodurch zwei Arztrechungen entstehen, die die Krankenkassen sich früher gespart hätten.
Außerdem ist natürlich fraglich wie sozial gerecht die Praxisgebühr ist. Zwar werden Patienten mit niedrigerem Einkommen schneller von der Praxisgebühr befreit, letztlich wird ein Arztbesuch aber doch immer mehr zu einem Luxusgut, das sich nicht jeder leisten kann und dies ist eine bedenkliche Entwicklung.

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